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TOURISTIK > Geschichtliche Entwicklung >
   

Frühgeschichte - Römerzeit - Gegenwart

 

Vor unserer Zeitrechnung dürfte der innere Odenwald fast unbewohnt gewesen sein. Lediglich an den Randgebieten wurden keltische Funde (ca. 800 - 500 v Chr.) nachgewiesen, wie z. B. einige Hügelgrab-Reste nördlich des Stadtteils Vielbrunn.

 

Im l. Jahrhundert nach Christus kamen die Römer in den Odenwald und sicherten die neugewonnenen Gebiete durch den Bau des Limes als Schutzwall gegen die Germanen. Sie legten einen Postenweg an, der durch Holztürme mit Sichtverbindung überwacht wurde. Es entstanden die Kastelle Seckmauern, Lützelbach, Hainhaus, Würzberg, Hesselbach und Schlossau. Versorgungsstraßen stellten die Verbindung zu den Legionslagern in Mainz und Dieburg her. Die damals angelegten Straßen waren für die Erschließung unseres Gebietes von großer Bedeutung.

 

Zahlreiche Bodenfunde im Gebiet um Michelstadt zeugen von der römischen Besatzung der damaligen Zeit, ihren heiligen Stätten wie ihren Landgütern. Auf Einzelfunde kann hier nicht eingegangen werden, es sollen nur einige der erhaltenen Bodendenkmäler aus jener Zeit erwähnt werden:

 

- Im Walddistrikt "Rote Heide" ist auf eine Länge von etwa 500 m der Verlauf einer alten Römerstraße zu erkennen. Hinweisschilder am Waldlehrpfad - Rundweg weg "(2) gelb", mit Ausgangspunkt am Parkplatz Waldschwimmbad, weisen darauf hin.

 

- Beim Stadtteil Würzberg finden wir neben dem ehemaligen Kastell die Reste eines kleinen römischen Militärbades, dessen Fundamente noch gut erhalten sind. Eine Hinweistafel erläutert seine frühere Funktion und erlaubt uns Rückschlüsse auf die hohe Kultur und die vorbildliche Hygiene der damaligen Zeit. Eine solche Badeanlage gehörte zu jedem römischen Kastell.


Grundriss des Römerbades bei Würzberg

  1.  Heizräume
  2.  Feuerstelle mit Heizungskanälen, PRAEFURNIUM
  3.  Schwitzraum mit trockener Hitze, SUDATORIUM
  4.  Kaltbad, FRIGIDARIUM
  5.  Kaltwasserwanne, PISCINA
  6.  lauwarmer Raum, TEPIDARIUM
  7.  Becken für lauwarmes Wasser
  8.  Warmbad, CALDARIUM
  9.  Becken für warmes Wasser
  10.  Umkleideraum, APODY TERIUM - vermutet, nicht untersucht 

Weitere Zeugnisse aus der römischen Zeit finden wir im Englischen Garten des Jagdschlosses Eulbach (an der B 47 in Richtung Amorbach), wo Originalfunde aus den Kastellen Würzberg und Eulbach zu sehen sind.

Entlang der Grenzlinie des Limes wurde 1980 ein Wanderweg angelegt, der an den alten Turmstellen und Kastellen vorbeiführt.


Land der Franken

 

Um die Mitte des 3. Jahrhunderts wurden die Römer von den Alemannen aus unserem Gebiet verdrängt. Diese wiederum wurden gegen Ende des 5. Jahrhunderts von den aus Norden vordringenden Franken besiegt. Vieles aus dieser Zeit liegt im Dunkeln; sicher ist nur, dass in der Zeit danach das gesamte Gebiet im Besitz der fränkischen Krone war. Es entstanden fränkische Siedlungen, Verwaltungsstützpunkte, Jagd- und Gutshöfe. Nachdem die Franken christliche Glaubensboten duldeten, erfolgte in dieser Zeit (7. Jh.) auch die Christianisierung durch den Hl. Kilian und seiner Gefährten.

 

Michelstadt zählt zu den ältesten Siedlungen des inneren Odenwaldes. Seine Burg ist aus einem fränkischen Gutshof hervorgegangen. Diese wurde zu einem Zufluchtsort für die Bewohner der Umgebung ausgebaut; als fränkisches Königsgut verschenkte es im Jahre 741 Fürst Karlmann (der Onkel Karls des Großen) dem Bonifatiusschüler Burkhart, dem ersten Bischof von Würzburg. Dies ist das Jahr, in dem Michelstadt erstmals erwähnt wurde. Diese Schenkung war sicherlich dem Bischof Burkhart persönlich zugedacht, denn das Gebiet von "Michelnstat" ging nach seinem Tode im Jahr 791 wieder an die fränkische Königskrone zurück.

 

Im Jahre 815 wurde die Mark "Michlinstat" erneut verschenkt. Als Anerkennung für seine großen Verdienste als Vertrauter am Hofe Karls des Großen erhielt Einhard den Hauptort und alles Land im Umkreis von 2 Leugen (etwa 15 km) von Karls Sohn, Ludwig dem Frommen, gemeinsam mit seiner Gemahlin Imma als freies Eigentum.

 

Durch sein Schaffen trug Einhard viel zur Besiedlung und Entwicklung des Odenwaldes bei. Im Jahre 819 vermachte er seinen Odenwälder Besitz dem Kloster Lorsch und beschrieb dabei recht genau die Grenzen der Mark Michelstadt. Mit Einhards Tod im Jahre 840 trat dann das Kloster Lorsch dessen Erbe an.


Neuzeit und Gegenwart

  

 

 

 

 

Mit der beginnenden Neuzeit wurde das Wachstum der Stadt immer mehr durch die Stadtmauer eingeengt. In Zeiten der Bedrängung hatte sie gute Dienste geleistet, weil man die Tore jederzeit schließen konnte. Ernsthaften feindlichen Angriffen war sie nie ausgesetzt, verlor jedoch durch die Entwicklung der Feuerwaffen immer mehr an Bedeutung. Im 17. Jahrhundert wurden die ersten Häuser außerhalb der schützenden Mauern errichtet. Als drittes Stadttor kam 1773 noch das Neutor hinzu. Im 19. Jahrhundert wurden die Tortürme nacheinander abgerissen. Von den Mauern und Wehrtürmen sind noch große Teile erhalten, weil die Anlieger sie beim Aufbau ihrer Häuser als billige Außenmauer nutzten.

 

 

 

Im Jahre 1806 kam Michelstadt mit der Grafschaft Erbach zum Großherzogtum Hessen. Die Turnerbewegung sowie die Revolution der Jahre 1848/49 fanden bei den Michelstädter Bürgern zahlreiche Anhänger.

 

 

 

Der Bau der Eisenbahnlinie und ihre Fertigstellung 1870 nach Darmstadt, sowie 1881 nach Eberbach, brachte für Michelstadt einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Aus dem einstigen Ackerbürgerstädtchen mit all seinen Handwerkern und Händlern entwickelte sich ein ansehnliches Gemeinwesen mit bedeutenden Industriebetrieben auf der Grundlage einer jahrhundertealten Eisenverarbeitung. Wirtschaftlich begann ein neues Zeitalter. Aus der Tuchweber- und Färberzunft entwickelte sich eine Tuchfabrik, aus Eisenhütten entstanden Maschinenfabriken. Die Elfenbeinschnitzerei war Ausgangspunkt für Betriebe der Souvenir-Branche und der Kunststoff-Verarbeitung.

 

 

 

Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte die Stadt einen beachtlichen Aufschwung und Bevölkerungszuwachs. Neue und moderne Wohnungen wurden geschaffen. Zu den vorhandenen Arbeitsstätten kamen neue hinzu. Kaugummi- und Kosmetik-Artikel von Weltruf werden heute in Michelstadt hergestellt. Eine Fertighausfabrik hat sich in der Stadt niedergelassen.

Der Fleiß der Michelstädter ist geradezu sprichwörtlich geworden und führte dazu, dass man sie mit den Bienen verglichen hat.

 

 

 

Nur mit diesem Fleiß konnte die Stadt das werden, was sie heute ist: Ein wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt des Odenwaldes, eine moderne Wohngemeinde, eine Stadt der Behörden und Schulen, eine Stätte von Handwerk, Handel und Industrie. Michelstadt entwickelte sich durch intensive Förderung des jeweiligen Bürgermeisters nicht nur zu einer beliebten Wohngemeinde, sondern auch zu einem attraktiven Fremdenverkehrszentrum des Odenwaldes. So finden die Gäste in einem romantischen Tälchen nordöstlich der Stadt das

 

SPORT-, RAST- UND ERHOLUNGSZENTRUM ODENWALDPARADIES

mit einem beheizten Freischwimmbad, Sportanlagen, Trimmpfad,

Waldlehrpfad, Ponyhof, Campingplatz und CVJM-Camp Michelstadt.

Das Camp, oberhalb der Stadt Michelstadt direkt am Wald gelegen, besteht aus 20 Nurdachhäusern mit insgesamt 177 Plätzen. Dazu kommen zwei Mitarbeiterwohnungen (19 Plätze), eine voll ausgestattete Großküche, ein Speisesaal mit 200 Sitzplätzen, verschiedene Aufenthaltsräume und ein Kaminzimmer. Die Sanitärräume (Waschräume, Duschen und Toiletten) sind in festen Häusern untergebracht. Um den Ansprüchen der Gruppen gerecht zu werden, gibt es ein breit gefächertes Angebot an Spielflächen, eine Terrasse, ein Sportplatz. Das Michelstädter Waldschwimmbad ist in nur 5 Minuten zu Fuß zu erreichen.

 

Rund 1000 ha Stadtwald und zahlreiche Privatwälder liegen in nächster Nähe der Stadt und laden zu erholsamen Wanderungen auf markierten Wanderwegen ein.

 

In der Odenwaldhalle (1200 Sitzplätze) finden kulturelle Veranstaltungen mit bekannten Bühnen statt. Die Räumlichkeiten sind auch für größere Tagungen bestens geeignet. Kegelbahnen und Schießstände vervollständigen das Angebot. In nächster Nähe liegt das Odenwald-Hallenbad mit einem 25-m-Schwimmbecken.

 

Weiterhin besteht die Möglichkeit, Michelstadt aus der Vogelperspektive kennen zu lernen. Der vom "Aero-Club Odenwald" betriebene Flugplatz am Waldhorn bietet hierzu Gelegenheit.

Heute wohnen in Michelstadt mit seinen Stadtteile etwa 17.200 Menschen. Durch die Eingemeindungen verfügt Michelstadt über eine Fläche, die der frühmittelalterlichen Mark Michelstadt nur wenig nachsteht. Im Osten grenzt das Stadtgebiet auf einer Länge von 20 km an den Freistaat Bayern. Die Grenze verläuft nur wenige Hundert Meter parallel zum Limes, der einst das römische Weltreich begrenzte.

 
 

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