Vorwort und Bemerkungen
In Michelstadt lebten zu dieser Zeit bis zu 200 jüdische Einwohner, darunter der weithin bekannte Rabbiner Seckel Löb Wormser. Aus den Archivunterlagen der Stadt Michelstadt wurde ein Personenverzeichnis erstellt, das hier als PDF-DATEI aufgerufen werden kann. Es ist als reine Datensammlung der jüdischen Einwohner von Michelstadt von 1809 bis 1875 zu betrachten.
Bei den Familiennamen wurde eine häufig verwendete Schreibweise gewählt. Es kann sein, dass der Name auch in anderen Varianten vorkam, ebenso die Vornamen. Lesbare Bemerkungen wurden soweit wie möglich miterfasst.
Die im Verzeichnis angegebenen Hausnummern bis ca. 1866 ergeben - mit dem Plan der Stadt Michelstadt aus dem Jahre 1753 abgeglichen - einen Überblick, in welchen Häusern jüdische Familien gelebt haben. Diese Karte kann ebenfalls hier als PDF-DATEI aufgerufen werden.
Quellen: Stadtarchiv Michelstadt
Protokolle 1809 - 1819, Geburten 1823 - 1875, Heiraten 1823 - 1875 und Sterbfälle 1823 - 1874.
Wir hatten Frau Heidi Banse gebeten, die Daten aus den Jüdischen Registern des Stadtarchivs zu erstellen, wofür wir uns sehr herzlich bedanken.
Anfragen, Berichtigungen oder Ergänzungen der Daten bitte an das Stadtarchiv Michelstadt richten:
Stadtarchiv Michelstadt
Marktplatz 1
64720 Michelstadt
Telefon und Fax: 0 60 61/ 70 61 45
E-Mail: stadtarchiv@michelstadt.de
Zur Geschichte der Michelstädter Juden
Nachstehend einige Textauszüge aus dem Buch "Die Juden in Michelstadt" von Martin Schmall aus der Rathaus- und Museumsreihe der Stadt Michelstadt (ISBN-Nr.3-924583-04-8):
In den Mauern unserer Stadt lebten seit 3 Jahrhunderten jüdische Familien als Mitbürger bzw. Beisassen.
In den folgenden Ausführungen ist der Versuch unternommen worden, ihre in den Jahren nach 1600 begonnene Ansiedlung durch einige Familien, ihre Entwicklung bis zu einer Gemeinde von 200 Seelen um 1860 dazustellen.
In Michelstadt lebten:
1650 ca. 300 Einwohner, davon 2 Judenfamilien
1700 ca. 450 Einwohner, davon 7 Judenfamilien
1791 ca. 1666 Einwohner, davon 104 Juden
1860 ca. 3100 Einwohner, davon 192 Juden
Beisassen
Für die nach dem 30jährigen Krieg in Michelstadt zugezogenen Juden war es nicht leicht, einen Neuanfang zu finden, da sie nicht als Bürger der Stadt aufgenommen wurde. Sie fanden als Beisitzer oder Beisassen Aufnahme und mussten jährliches Beisassengeld von 3 Gulden leisten. Das war das 3fache des Beisassengeldes für Christen. In den Stadtrechnungen finden wir folgende Einträge: 1654 zahlen 2 Juden 6 Gulden Beisitzgeld ...
Schutzjuden
In Michelstadt gab es um 1751 12 Schutzjuden, einschließlich der in Steinbach wohnenden, um 1840 waren es 25 Schutzjuden.
Juden, die laut Gemeindeordnung von 1821 das Staats- und Ortsbürgerrecht erlangen konnten, wurden von künftigen Schutzgeldzahlungen befreit.
Die 1848er Jahre brachten für die jüdischen Einwohner im Rahmen der Gleichstellung den Abbau vieler Erschwernisse des täglichen Lebens, so auch die Beseitigung des Schutzbriefes. Die Reichsverfassung von 1872 hob schließlich alle Einschränkungen für Juden auf.
Die Geldverleiher
Namen von Hofjuden (Hoffaktoren), deren sich die regierenden Erbacher Grafenhäuser bedienten, finden sich erstmals um 1714. Damals war der Jude Hesekiel Baruch berufen, als Hofjude bei den Grafen die finanziellen Belange zu regeln und für flüssige Kassen zu sorgen. Um 1775 taucht der Name Abraham Joseph auf
Die Gemeindeordnung von 1821
Nach Einführung der Gemeindeordnung von 1821 stellten sowohl in Michelstadt wohnende, als auch in anderen hessischen Gemeinden angesiedelte Juden und "Ausländer" (in angrenzenden Ländern wohnende Juden) Anträge zur Erlangung des Staatsbürger- und Ortsbürgerrechts in Michelstadt.