Seckel-Löb-Wormser
Der Baal-Schem von Michelstadt
- Seckel Löb Mattes, so lautet sein Geburtsname, wurde um 1768 in Michelstadt geboren (siehe unten "Auszüge aus dem Leben des Seckel Löb Wormser")
- Er studierte mit 16 Jahren an der Talmudschule in Frankfurt,
- kehrte nach 6 Jahren nach Michelstadt zurück, wo er ein bescheidenes Leben führte und sein Ziel, die Gründung einer Thoraschule, verwirklichte.
- Einige Mitglieder seiner Gemeinde lehnten ihn aufgrund seiner asketischen Einstellung und der Beschäftigung mit der jüdischen Mystik (Kabbala) ab,
- seine Freunde und Bewunderer rühmten seine aufrechte und hilfsbereite Art und die ihm nachgesagten wundersamen Eigenschaften bis über Deutschlands Grenzen hinaus.
- 1809 befasste er sich am jüdischen Krankenhaus in Mannheim mit der Heilkunde.
- Nach kurzer Zeit kehrte er nach Michelstadt zurück und wurde in den Odenwaldgemeinden, mit Ausnahme Michelstadts, als Rabbiner eingesetzt,
- ab 1822 bis zu seinem Tod am 13. Sept. 1847 dann auch in Michelstadt.
Wohnhaus mit Gedenktafel
Das Haus Mayer Strauss um das Jahr 1910. Es steht in der Erbacher Straße rund 400 m von der Innenstadt entfernt. Hier lebte Seckel Löb Wormser von 1826 bis zu seinem Tod.


Das Grab des Seckel Löb Wormser auf dem jüdischen Friedhof Michelstadt.
Der Friedhof liegt am Waldrand an der Straße Am Stadion, rund 1,2 km von der Innenstadt entfernt, im Norden der Stadt.
Für eine Besichtigung kann der Schlüssel zum Tor beim Odenwaldmuseum der Stadt gegen eine Kaution abgeholt werden.
Auszüge aus dem Leben des Seckel Löb Wormser
Er kam (1768) als 7. Sohn des jüdischen Tuchhändlers Mattisjahu aus Michelstadt zur Welt. Sein ursprünglicher Name war Seckel Löb Mattes, den Beinamen Wormser legte er sich erst um 1800 zu (seine Vorfahren stammten aus Worms).
Schon als kleiner Junge war Seckel ein gewitzter, aufgeweckter Junge, der im Umgang mit Erwachsenen recht klug redete. Zu dieser Zeit wurden die Judenkinder noch in der Familie von jüdischen Hauslehrern unterrichtet, wobei die Hauptfächer das Studium der Bibel, das Lesen und Schreiben der hebräischen Schrift waren. Er war ein sehr begabter und kluger Schüler, der von den ihm aufgetragenen Arbeiten im väterlichen Geschäft nicht begeistert war. Seine Lieblingsfächer Geometrie, Musik und Schreiben waren ihm wichtiger. [...] Als Sechzehnjähriger wurde er auf die Talmudschule nach Frankfurt geschickt, wo er sechs Jahre studierte. Dort hatte er Gelegenheit, sich mit der jüdischen Mystik (Kabbala) zu beschäftigen, die ihn in späteren Jahren, besonders in Michelstadt, in große Schwierigkeiten bringen sollte.
Nach Beendigung seines Studiums in Frankfurt machte man ihm Angebote, dort zu bleiben. Er kehrte aber wieder nach Michelstadt zurück und brachte seine Frau, die Tochter eines wohlhabenden Frankfurter Juden, in das Elternhaus mit. [...] Seckel Löb führte ein bescheidenes Leben. Sein Ziel war die Gründung einer Thoraschule. Es gelang ihm viele jüdische Schüler nach Michelstadt an seine "Jeschiwa" zu bringen. [...] Es war für ihn zeitweise ein Problem geworden, für die vielen Schüler Unterkunft und Essen bereitzustellen. Hierbei ist nicht zu vergessen, dass er neben den wohlhabenden auch arme Schüler hatte, die er aus seiner eigenen Tasche versorgte und förderte.[...]
Seiner eigenen jüdischen Gemeinde, besonders einigen wohlhabenden Juden in Michelstadt, gefiel dieser rege Schulbetrieb, das hohe Ansehen und die persönliche, geistige Einstellung des Rabbi, der ja von ihnen als Kabbalist und Asket bekämpft wurde, gar nicht. Sie konnten lange Jahre verhindern, dass er als Rabbiner eingesetzt wurde, und brachten ihn sogar einige Tage in das Gefängnis.
Der ihm von seinen Anhängern verliehene Beiname Baal-Schem (Wundermann) tat sein übriges um den hilfsbereiten Mann, dem man übernatürliche Kräfte nachsagte, bei jeder Gelegenheit zu bekämpfen.
Nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1809 kam er mit seinen unversorgten Kindern in eine schwierige Lage. Er ging kurze Zeit nach Mannheim, um sich am jüdischen Krankenhaus mit der Heilkunde zu befassen. Dort soll er auch das Wunder vollbracht haben, eine dem Wahnsinn verfallene Frau innerhalb kurzer Zeit zu heilen.
Nach seiner Rückkehr nach Michelstadt durfte er als Rabbiner in den Odenwaldgemeinden eingesetzt werden, jedoch ohne Bezahlung. In Michelstadt selbst wurde ihm dieses Amt eines Rabbiners vorenthalten. [...]
Erst ab 1822 durfte er auch in Michelstadt als Rabbiner wirken. Dieses Amt versah er dann bis zu seinem Tod.
[...] Das Geburtsjahr des S. L. Wormser wird mit 1786 angegeben. Nach den vorhandenen Unterlagen trifft diese Angabe jedoch nicht zu. Sein Geburtsjahr ist mit 1772 anzunehmen. Der Eintrag in das Sterbebuch weist aus, dass S. L. Wormser am 4.Tischri 5608 (13. September 1847) im Alter von 76 Jahren verstorben ist. Er wurde beigesetzt am 6.Tischri (16. Sept.) auf dem jüdischen Friedhof in Michelstadt.
[...] Die Schreibweise seines Namens hat S. L. Wormser wiederholt geändert bzw. ergänzt. Sein ursprünglicher Name war Seckel (Isaak) Löb Mattes. Nach 1800 fügte er die Bezeichnung Wurmser an, und nach 1809 schrieb er sich Isac Löw Matthes Wormser. [...] Im Sterberegister wurde vom Bürgermeister jedoch sein Name mit Isaak Löb Wormser eingetragen.
Textauszüge und Fotos aus: Martin Schmall: "Die Juden in Michelstadt", 1988, Band 5 der "Rathaus- und Museumsreihe, Michelstadt, erhältlich in Buchhandlungen und im Odenwald- und Spielzeugmuseum Michelstadt.
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