Das einmalig schöne und malerische Bild vom Marktplatz mit Rathaus wäre ohne den im Renaissance-Stil erbauten Marktbrunnen nicht vollständig. Er wird mit Recht als der schönste der zahlreichen Michelstädter Brunnen bezeichnet und wurde 1575 von Graf Georg II. zu Erbach gestiftet. Der mit Schmiedeeisen verzierte, mit Löwenköpfen und Ornamenten behauene hohe Sandsteinblock zeigt im oberen Teil das Michelstädter Wappen. Die krönende Figur stellt den Erzengel Michael mit der Seelenwaage dar, wohl als Sinnbild der Gerechtigkeit oder als Anspielung auf den Namen der Stadt.
Der Name der Stadt leitet sich allerdings nicht von Michael ab, sondern kommt von althochdeutsch "Michel" = groß. Dennoch gilt der Erzengel Michael als Schutzpatron der Stadt, da ihm die Stadtkirche geweiht ist.
Der "Löwenhof" (links im Bild), der den Marktplatz als Barock-Bau nach Norden begrenzt, ist im Jahre 1755 aus 3 Anwesen entstanden. Er diente als Station für den Liniendienst der Postkutschen. Hier wurden die Pferde gewechselt, und die Reisenden fanden ein Nachtquartier. Die Torbögen im Innenhof des Anwesens kennzeichnen die Lage der Remisen und Stallungen.
Nachdem das Rathaus nach 1920 für die Verwaltungsaufgaben zu klein geworden war, wurde die Bürgermeisterei in diesem Barockgebäude untergebracht. Durch die nach 1970 erfolgten Eingemeindungen haben die Aufgaben der Stadtverwaltung in starkem Umfang zugenommen, so daß neue Räumlichkeiten benötigt wurden, die man im Anwesen des ehemaligen Kurhauses in der Frankfurter Straße fand. Seit 1977 befindet sich nur noch das städtische Verkehrsbüro am Marktplatz.