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Interessante Bauwerke in der Altstadt

 

 

Thurn und Taxis-Scheune

 

Die ehemalige Thurn- und Taxische Scheune stand jahrzehntelang ungenutzt und wurde im Rahmen der Altstadtsanierung ausgebaut. In einem der neu geschaffenen Räume befindet sich ein Schatz von ganz besonderem Wert. Es handelt sich um eine Bibliothek von ursprünglich an Ketten gebundenen Büchern. Sie wurde 1499 von dem in Michelstadt geborenen Magister und Doktor der freien Künste Nicolaus Matz (1443-1513) nach Beendigung seiner aktiven Lehrtätigkeit gestiftet.

 

Bei einer Katalogisierung im Jahre 1984 waren 159 Inkunabeln (Frühdrucke des 15. Jhs.) und eine Anzahl mittelalterliche Handschriften vorhanden. Außer diesen Frühdrucken ist ein wertvoller Buchbestand erhalten, der zum Teil aus dem Grafenhaus stammt. Im Zusammenhang mit der Stiftung von Nicolaus Matz kann angenommen werden, dass sehr früh eine Schule in Michelstadt gegründet wurde, die bereits im Jahre 1532 erwähnt wird.

 

 

 

Die ehemalige Synagoge

 

Die 1791 erbaute Synagoge befindet sich in der Mauerstrasse. Hier wirkte von 1822 bis 1847 Seckel Löb Wormser, der Wundermann ("Baal-Schem") von Michelstadt. Bevor er als Rabbiner wirken durfte, gründete er eine Talmudschule, die weltbekannt wurde und in der er um 1800 bis zu 70 Schüler unterrichtete. Die jüdische Einwohnerschaft erreichte 1864 mit 192 Seelen ihren Höhepunkt. In dem Gebäude wurde im November 1938 in der sogenannten Reichskristallnacht die Inneneinrichtung zerstört. Nach seiner Nutzung als Schuppen wurde das ehemalige Kultgebäude wiederhergestellt und darin 1979  das Landesrabbiner Dr.-Lichtigfeld-Museum jüdischer Kultgegenstände untergebracht.

 

Hebräische Inschrift über dem Eingang der Synagoge:

 

Wie fein sind deine Hütten, Jakob

und deine Wohnungen, Israel. 

4. Mose / Numeri 24, Vers 5 

 

 

 

Das Wehrmann-Haus

 

Das neben der ehem. Synagoge stehende Wehrmann-Haus, Mauerstraße 17, wurde fachgerecht restauriert. Es hat eine direkte Verbindung zu dem Spitzen Turm in der Stadtmauer. Das vor 1600 erbaute Haus wurde von Angehörigen der Zentmannschaft bewohnt, die für die Sicherheit des Gebietes verantwortlich waren.

 

 

 

 

 

Alte Färberei

 

Die Alte Färberei steht in der Oberen Pfarrgasse 1. Auffällig ist der Erker mit seinen schönen Schnitzereien. Der offene Laubengang im oberen Stockwerk weist darauf hin, dass in diesem Anwesen einst ein Färber tätig war, der dort oben seine Tuche trocknete. Die seitenverkehrt eingemeißelte "4"  in dem reich verzierten Torbogen ist als Zeichen der Färberzunft zu deuten. Hier wurden zu Beginn des 20. Jhs. noch Tuche gefärbt.

 

 

 

 

Stadtgarten mit Turm der Stadtmauer

 

Der Stadtgarten, der an der Seite des ehemaligen Stadtgrabens zwischen der noch gut erhaltenen Stadtmauer und dem mittelalterlichen Wall als schöne Grünanlage entstanden ist, bietet ein malerisches Bild mit dem bereits erwähnten Turm der Stadtmauer. An die anderen Türme der Stadtmauer erinnern nur noch Mauervorsprünge, die im Abstand von etwa 50 Metern das Bild der Stadtmauer beleben. Diese war ehemals 700 m lang und ist hier am besten erhalten. 


 

Gasthaus Grüner Baum

 

In der Grossen Gasse 17 wurde 1685 eines der ersten Häuser außerhalb der Stadtmauer errichtet. Heute Gasthaus "Grüner Baum".

 

Chirurgus-Büchner-Haus, heute Schmucker-Stube

 

Außerhalb der ehemaligen Stadtmauer finden wir zwei weitere sehr schöne Fachwerkhäuser. In der üchner-Haus" durch die Freilegung des alten Fachwerks und Umbau zur Gaststätte "Schmuckerstube" zu einem kleinen Schmuckstück geworden. Erbaut 1738.

 

 

 

 

Ehemaliges Gasthaus Reichskrone

 

Mit seinem roten Fachwerk bildet das im Volksmund als Reichskrone bekannte Gebäude einen markanten Gegensatz zum Platz am "Schwiegermütterbrunnen". Das im Kern wohl ältere Bauwerk wurde 1770 in seine heutige Form gebracht. Es diente bis in die 1970er Jahre als Gasthaus und Kolonialwarenhandlung und war ehedem Wohnhaus des bekannten Michelstädter Heimatdichters und Ehrenbürgers Wilhelm Kurz (1855-1935). Heute befinden sich im Erdgeschoss des Hauses die Geschäftsräume der Firma CCS Controlling Consulting & Services.

 

 

Der Schwiegermütter-Brunnen

 

Dieser stand von 1541 bis 1575 auf dem Marktplatz und war 1541 von Graf Georg I. zu Erbach (+ 1569) gestiftet worden. Dieser älteste Michelstädter Brunnen steht heute vor dem Haus Grosse Gasse 14 und zeigt auf seinem Mittelstock vier Wappen, die an den Stifter erinnern:

Wappen Erbach - Graf Georg I, zu Erbach

Wappen Pfalz - seine Frau war Pfalzgräfin Elisabeth, Herzogin in Bayern

Wappen Baden - seine Schwiegermutter war Markgräfin Beatrix von Baden

Wappen Wertheim - seine Mutter war Gräfin Maria von Wertheim.

 

Dieser Brunnen erhielt im Volksmund den Namen "Schwiegermütterbrunnen". Das Stadtbild wird durch zahlreiche weitere Brunnen vervollständigt, die allerdings nicht so bemerkenswert sind. Im Jahre 1715 waren bereits 5 Brunnen vorhanden, die durch eine hölzerne Wasserleitung versorgt wurden und den Bürgern der Stadt ihren Bedarf an Wasser lieferten. Zum Dank für das köstliche Nass, das sie uns liefern, werden die Brunnen an Pfingsten liebevoll mit grünen Birken und bunten Blumen geschmückt. 

 


 

Frühere Hof-Apotheke, heute Glassl-Immobilien

 

Das schöne Fachwerkhaus auf der anderen Straßenseite hat seit seiner Erbauung 1557 wenig Änderungen erfahren. In einem Teil des Hauses war von 1699 bis 1826 die "Hof-Apotheke".


 

Oberamtmann-Preund-Haus, ehem. Burgmannenhaus

 

Hervorzuheben ist das Oberamtmann-Pfreund-Haus in der Unteren Pfarrgasse 21. In diesem Haus lebte und wirkte der Michelstädter Amtmann Adolf Friedrich Pfreund (1635-1716), der sich in schweren Kriegsnöten mutig für die ihm anvertraute Grafschaft Erbach einsetzte. Ein Turm der Stadtmauer, der in das Gebäude miteinbezogen wurde, ist nicht ohne weiteres zu erkennen. Es ist eines der ältesten Häuser und dürfte nach Altersuntersuchungen um 1475 entstanden sein.


Haus Kellereibergstraße 30

 

Auch die Zeit um die letzte Jahrhundertwende hat in der Michelstädter Vorstadt einige beachtenswerte Bauten hervorgebracht, von denen hier nur eines erwähnt werden soll, nämlich das Haus Kellereibergstraße 30, heute evangelisches Pfarrhaus.

 

Hier wohnte seinerzeit der Heimatforscher und Begründer des Odenwaldmuseums, Rudolf Marburg. Wie viele Häuser der damaligen Zeit ist es durch einen Sinnspruch verziert. Über dem Erker können wir lesen:

 

Wer ist Meister, wer was ersann,

wer ist Geselle, wer was kann,

Lehrbub jedermann. 

 
 

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