Einhards Briefe - Kommunikation und Mobilität im Frühmittelalter

15. Mai 2018

Einhard war der erste Biograph Karls des Großen und Gründer der Seligenstädter Abtei. Er war zugleich aber auch ein einflussreicher Mann am Hof Ludwigs des Frommen und leitete gleich mehrere Klöster und Stifte im Frankenreich, die im heutigen Frankreich, Belgien und Deutschland lagen. In enger Zusammenarbeit zwischen dem Seminar für mittelalterliche Geschichte an der Eberhard Karls Universität zu Tübingen und der Einhard-Gesellschaft Seligenstadt entstand Band III der Acta Einhardi.

Unter Leitung von Prof. Dr. Steffen Patzold wurde die älteste Überlieferung einer Abschrift ausgewählter Briefe Einhards, heute in der Pariser Bibliothèque nationale de France, unter Berücksichtigung früherer Forschungen übersetzt und in den historischen Kontext eingeordnet. “Diese Briefsammlung ist geeignet, mit so manchem vorwissenschaftlichen Klischee über das ferne Mittelalter aufzuräumen: In den Dokumenten aus dem 9. Jahrhundert tritt uns eine hochmobile Gesellschaft entgegen, in der Geistliche ebenso wie Laien in ihrem Alltag ganz selbstverständlich miteinander über politische, wirtschaftliche, rechtliche, aber auch ganz persönliche Fragen korrespondierten.” Bisher sind Einhards Briefe dem breiteren Publikum vergleichsweise unbekannt geblieben, obwohl sie als historische Quellen ersten Ranges gelten. Sie eröffnen sowohl Einblicke in Einhards Persönlichkeit, als auch in die Welt des Kaiserhofes und der politischen Eliten im Karolingerreich.

Die als Faksimiles abgebildeten und übersetzten Briefe stammen nahezu alle von Einhard selbst. So finden sich vermutlich auch zwei Briefe Immas, der Gemahlin Einhards, in der Sammlung. Die Abschriften der Briefe wurden wohl schon im 9. Jahrhundert im französischen Laon aufbewahrt, 1829 nach Paris überführt und neu eingebunden. Die als “manuscrit latin 11379” archivierte Briefsammlung war vermutlich im Umfeld des Kloster St. Bavo in Gent entstanden, dem Einhard ebenfalls vorstand.

Neben Steffen Patzold waren Annette Grabowsky, Christoph Haak und Thomas Kohl an der Zusammenstellung der Texte beteiligt und fungieren als Herausgeber des Buches. Sie danken insbesondere der Einhard-Gesellschaft mit Dorothea Henzler und Thomas Laube für die wohlwollende Unterstützung und Förderung des Projektes. Ein besonderer Dank geht an Birgit Malsy-Grimm aus Seligenstadt, die “auch für dieses Buch wieder die exzentrischen Wissenschaftlerwünsche mit viel Geduld und noch mehr Können umgesetzt hat.”

 

ISBN 978-3-00-059807-4