Leuchtreklame für Michelstadt und den Odenwald

Meterhohe Holzstapel kennzeichnen am Samstag, 30. März, einmal mehr die Route, auf der früher Nachrichten per Feuer und Rauch übermittelt wurden. Diese Lärmfeuer werden nicht mehr entzündet, um vor Gefahr und feindlichen Truppen zu warnen. Stattdessen wird rund ums Feuer gefeiert, es werden alte Geschichten erzählt und natürlich Speis und Trank gereicht.

Los geht es bei Einbruch der Dunkelheit in den Michelstädter Stadtteilen Vielbrunn und Weiten-Gesäß

Die Agenda 21-Gruppe aus Michelstadt/Weiten-Gesäß wird "auf der Hälle" bei Weiten-Gesäß ihr Lärmfeuer entzünden. Der Standort gibt einen guten Überblick über Weiten-Gesäß und die umliegenden Höhen des Odenwaldes. Um 18 Uhr starten wir die Aktion Lärmfeuer und um ca. 19 Uhr wollen wir das Feuer entzünden. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Infos: Roland Hartmann, 06061-71664

Der Heimat- und Touristik-Verein und der SPD-Ortsverein Vielbrunn werden ihr Lärmfeuer wieder direkt am Limeswachturm WP 15/10 auf der Vielbrunner Höhe entzünden. Für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt. Auch werden vor Beginn des Feuers Fanfaren die Veranstaltung eröffnen. Weitere Informationen: HTV Vielbrunn, Susan Breitenbach, Tel. 06066-969469

Von Läufern und Lichtblitzen

Ein Schrei als Alarmruf reicht kaum weiter als 1,5 Kilometer. Deshalb wurden relativ früh Trommeln oder lautstarke Signale zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt. Eine weitere Form ist bekannt: 409 vor Christus lief ein Bote die 40 Kilometer lange Strecke von Marathon bis Athen, um den glorreichen Sieg über die Perser zu verkünden und brach dann tot zusammen. Reitende Boten waren bis in die Neuzeit wichtige Nachrichtenübermittler. In Vergessenheit geraten ist der Heliograph: Mit Hilfe polierter Schilder und dem Sonnenlicht wurden im antiken Griechenland Lichtblitze erzeugt, die als Signale in Schlachten verwendet wurden.

Brieftauben waren die erste Form der Luftpost. Schon 5000 vor Christus domestiziert spielten sie im Bereich der militärischen Postübertragung eine wichtige Rolle und waren bis zum Zweiten Weltkrieg von Bedeutung.

Die Signalgebung per Feuer und Rauch reicht vermutlich in vorgeschichtliche Zeiten zurück. Dass die Römer dieses Kommunikationssystem nutzten, ist belegt: Als die Macht des Imperiums bröckelte, wurden die Außenposten am Hadrianswall oder Limes auf diese Weise vor Überfällen der sogenannten Barbaren gewarnt.

Während der Kriege des 16., 17. und 18. Jahrhunderts wurden die Lärmfeuer auf den Bergen des Odenwaldes wieder gezündet, ebenso während der Revolutionsjahre Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts. Der 502 Meter hohe Berg bei Ober-Mossau trägt den Namen Lärmfeuer und erinnert an dieses Warnsystem. Mit Lärm haben die Signalfeuer übrigens nicht zu tun: Der Name geht zurück auf das französische all’armes, zu den Waffen.

Geschichtswissen festhalten

Dass sich das Wissen über die Lärmfeuer erhalten hat, ist dem Odenwälder Heimatforscher Friedrich Höreth zu danken: Er hat in den 20er Jahren alte Urkunden des Erbacher Grafenhauses (er war dort zeitweise Archivar) abgeschrieben. Die ausgelagerten Originale wurden in der Darmstädter Brandnacht am 12. September 1944 im Staatsarchiv vernichtet. Von Höreth stammt auch die Karte mit der historischen Signalfeuerkette, die in Band I von „Was uns der Odenwald erzählt“, Darmstadt 1952, veröffentlicht wurde. Friedrich Höreth war Lehrer in Mümling-Grumbach und starb 1969.

Die Idee zur Wiederbelebung der historischen Signalkette entstand 2000 im Umfeld der Hessische Apfelwein- und Streuobstwiesenroute Odenwald. Die Bürgerstiftung Lautertal entzündete im Jahr 2007 das erste Lärmfeuer auf der Raidelbacher Höhe. Das erste „Antwortfeuer“ brannte auf der Schleichhöhe zwischen Kolmbach und Winterkasten. Reichelsheim und das Weschnitztal, Modautal, die Veste Otzberg, das Mümlingtal und Vielbrunn, die Höhen bei Grein über dem Neckar folgten.

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DatumUhrzeitOrtPreis
30.03.2019 18:00 - 22:00 Uhr