Spezialist für Altstadtpflaster in den Ruhestand verabschiedet

Nach fast 20 Jahren im Dienst der Stadt Michelstadt ist Antonino Schembre, kurz Nino, heute in den Ruhestand verabschiedet worden. Bei einer kleinen Abschiedsfeier im Stadthaus würdigten Bürgermeister Dr. Tobias Robischon, Hauptamtsleiter Matthias Nowak, Bauamtsleiterin Alexandra Erle, stellvertretende Bauhofleiterin Heike Kiehl und Marc Dingeldein in Vertretung des Personalrats seinen langjährigen Einsatz und verabschiedeten den 64-Jährigen in den neuen Lebensabschnitt.
„Sie haben sich über viele Jahre ein ganz besonderes Fachwissen rund um das Altstadtpflaster erarbeitet. Dieses Wissen ist für unsere Stadt von großem Wert. Noch wichtiger ist aber, dass Sie dieses Wissen und Ihre Erfahrung immer gern an die Kolleginnen und Kollegen weitergegeben haben. Damit haben Sie nicht nur hervorragende Arbeit geleistet, sondern auch etwas von Ihrem können weitergegeben und dafür gesorgt, dass dieses besondere Handwerk in unserer Stadt weiterlebt. Für fast 20 Jahre engagierten Einsatz, Ihre Zuverlässigkeit und Verbundenheit mit unserer Stadt ein herzliches Dankeschön“, sagte Bürgermeister Dr. Tobias Robischon.
Nino Schembres Weg in den Odenwald begann bereits 1985. Der gebürtige Sizilianer kam damals der Liebe wegen nach Michelstadt. Der Start in seiner neuen Heimat war nicht ganz einfach: Er sprach kein Deutsch und musste sich zunächst an das Klima gewöhnen: Aus dem sizilianischen Sommer mit Temperaturen von mehr als 40 Grad erlebte er in seinem ersten Michelstädter Winter minus 25 Grad. „Das hat mir aber nichts ausgemacht“, erzählt er heute schmunzelnd.
Die deutsche Sprache lernte der Maurer vor allem durch die Arbeit. Von 1985 bis 2007 war er in einem Unternehmen für Pflasterarbeiten tätig und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Spezialisten für das Verlegen von Altstadtpflaster.
Am 1. September 2007 wechselte Nino Schembre in den städtischen Bauhof. Dort wurde das Verlegen und Wiederherstellen von Pflasterflächen zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit. Besonders beim historischen Altstadtpflaster konnte er sein über viele Jahre erworbenes handwerkliches Können einbringen. Gerade wenn Flächen nach Bauarbeiten wiederhergestellt werden mussten, waren Erfahrung und ein gutes Gespür für die historischen Natursteine gefragt.
Sein Wissen weiterzugeben, wurde ihm dabei zunehmend wichtig. Denn den klassischen Beruf des Pflasterers gibt es heute nicht mehr. Gerade für Michelstadt mit unzähligen Metern Altstadtpflaster ist das Wissen über die fachgerechte Verlegung der historischen Natursteine jedoch nach wie vor von großer Bedeutung. Er gab seine Erfahrung deshalb gern an die Kolleginnen und Kollegen weiter und trug so dazu bei, dass dieses besondere handwerkliche Wissen im Bauhof erhalten bleibt.
Dass ihm die Arbeit trotz ihrer Anstrengungen immer Freude gemacht hat, merkt man ihm auch heute noch an. „Das muss man lieben“, sagt er über das Pflasterhandwerk. Die Arbeit sei körperlich anstrengend und zugleich anspruchsvoll. Gerade beim Altstadtpflaster brauche man einen guten Blick für die Steine. „Das ist wie ein Puzzle – nur muss es schneller gehen und am Ende sieht und fühlt jeder, wenn man nicht ordentlich gearbeitet hat.“
Aus gesundheitlichen Gründen wechselte der gebürtige Sizilianer 2024 ins Bauamt. Zuletzt war er dort im Gebäudemanagement tätig und kümmerte sich um die städtischen Gebäude. „Das war etwas ganz anderes, aber es hat mir auch viel Spaß gemacht“, blickt er zurück.
Auch in seiner Freizeit ist Schembre ein aktiver Mensch. Fast 20 Jahre spielte er Fußball. Gerade in seinen ersten Jahren in Deutschland half ihm der Sport dabei, Kontakte zu knüpfen, Menschen kennenzulernen und die Sprache zu lernen. Bis vor rund drei Jahren nahm er zudem regelmäßig an verschiedenen Läufen teil. Heute stehen Spaziergänge auf dem Programm.
Seit 30 Jahren lebt er in Steinbuch. Sein Haus hat er selbst gebaut. Nun beginnt für Nino Schembre ein neuer Lebensabschnitt. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden erwachsenen Kindern kann er die kommende Zeit etwas ruhiger angehen lassen – und vielleicht die eine oder andere Runde mehr zu Fuß drehen.




