Gedächtnis der Herrschaft – Das Archiv der Herren und Grafen von Erbach: Von seinen Anfängen bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
- 10.09.2027
- 19:30 Uhr - 21:00 Uhr
In der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 wurde das Erbachische Gesamt
hausarchiv beim alliierten Fliegerangriff auf Darmstadt vollständig zerstört. Das
Archiv war 1932 durch den damaligen Senior des Hauses Erbach als kündbares
Depositum dem Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt übergeben worden und
lagerte dort bis zu seiner Vernichtung. Rund 350 Laufmeter Akten und etwa 5.100
Originalurkunden, darunter die ältesten aus den Jahren 1113 bzw. 1135/1140, gin
gen verloren. Damit zählt die Zerstörung des Erbacher Archivs zu den gravierends
ten Kriegsverlusten der deutschen Archivlandschaft.
Während das Ende des Gesamthausarchivs und seine Geschichte seit der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts vergleichsweise gut erforscht sind, liegen seine An
fänge weitgehend im Dunkeln. Ihnen widmet sich der Vortrag. Um die Entstehung
erster Ansätze eines erbachischen Archivs zu erfassen und zeitlich einzuordnen,
richtet sich der Blick auf das Vordringen der Schriftlichkeit, die Herausbildung von
Verwaltung und insbesondere die Entstehung einer erbachischen „Landesherr
schaft“. Denn ein Archiv setzt eine über die Einzelperson und ihre Familie hinaus
greifende (staatliche) Institution voraus, in der Schriftgut dauerhaft aufbewahrt wird.
Anhand historischer Indizien, die die Herausbildung der erbachischen Landesherr
schaft dokumentieren, werden die Entstehungsumstände und frühen Ansätze des
erbachischen Archivs erschlossen. Zugleich nimmt der Vortrag die weitere, nicht
immer linear verlaufende Geschichte des Gesamthausarchivs bis zu seiner Zerstö
rung 1944 in den Blick. Damit wird das Erbachische Archiv nicht nur als verlorener
Bestand, sondern als historisches „Gedächtnis der Herrschaft“ in seiner Bedeutung
und Entstehungsgeschichte gewürdigt.
